Talking Sticks

Der Redestab (englisch: talking stick) ist ein indianischer Kultgegenstand, der jahrhundertelang bei wichtigen Gesprächsrunden und Beratungen rituell zur Förderung der Gesprächskultur eingesetzt wurde.

Der Redestab wird als Kultgegenstand sorgfältig gehütet und an einem besonderen Platz aufbewahrt. Hüter des Stabes ist oft der Medizinmann. Aufbewahrt wird der Stab in einem verzierten Beutel oder einer Schatulle.

Die Gesprächsrunde (engl.: Council) mit Redestab ist eine indianisch-schamanische Technik. Ziel ist die Gestaltung von Prozessen, Krisen und Konflikten, sowie die Würdigung von Erreichtem in Gruppen und Gemeinschaften. Der Redestab kreist in der Runde. Wer ihn in der Hand hält, hat die uneingeschränkte Aufmerksamkeit aller Anwesenden im Kreis. Er spricht (und/oder schweigt) über die wesentlichen Dinge, solange er will. Danach gibt er den Redestab weiter.

Das Wesentliche am Ritual ist nicht das Sprechen, sondern das „ganz zu Aufmerksamkeit werden“, das durch die Konzentration auf den Redestab unterstützt wird. Diese uneingeschränkte Aufmerksamkeit ist eine Form des Respekts für sich selbst, seinen Mitmenschen, die Gruppe und das große Ganze. Der Sprecher richtet seine Aufmerksamkeit nach innen, um in sich aufzuspüren, was in diesem Moment „das Wesentliche“ ist und es mit den anderen zu teilen. Der Hörer richtet die Aufmerksamkeit nach außen, auf den Sprecher, um zu erkennen, was im Moment das Wesentliche dieses Menschen ist und was dieses für die Gruppe und die Gemeinschaft bedeutet.

Detailansicht Kopf

Mit Hilfe dieses Rituals werden auch politische und soziale Entscheidungen getroffen. Wenn alle Beteiligten „aus dem Herzen“ sprechen, wenn alles Wesentliche erkannt und gesagt ist, ist auch klar was wie zu tun ist. Die Entscheidung entsteht sozusagen „aus dem Kreis“.

Die Redestabrunde sorgt für einen geordneten Gesprächsablauf. Dieses Element findet auch als Moderationstechnik Anwendung. 

Im europäischen Bereich ist diese Tradition bekannt aus Nordeuropa, sprich von den Wickingern.

 

Folgende "Folgen" sind durch Anwendung dieser Methode bekannt:

a) keine "linkshirnigen" konkreten Ergebnisse, vielmehr langfristige "Nachwirkungen"

   - Gefühl, dass sich wieder etwas bewegt (in mir selbst, in der Gruppe, in der Welt ...)

   - andere Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit als Menschen in ihrer Ganzheit erleben, "der Mensch wird wieder zum Menschen", auch ich selbst werde wieder menscshlich

   - Vertrauen in das Leben und in die Menschheit, indem diese wieder als Prozeß erlebt werden

   - in Organisationen: Herabsetzung von Fluktuationen, innerer Kündigung, Gefühlen der Ausweglosigkeit bzw. des Ausgegrenztseins, Verminderung von Mobbing usw.

b) man lernt "mit dem Herzen" zu hören und zu sprechen

c) Redestabrunden über längere Zeit geführt, ergeben ein wertvolles Feedback meiner Fähigkeiten, (von anderen aber auch allein von dem was da auf einmal an Schätzen aus mir entströmt

d) gegenseitige Empfehlungen treten an die Stelle von sterilen Zeugnissen

e) Freisetzung brachliegenter Potentiale

 

Vorteile dieser Methode:

- alle sind einbezogen, alle Beiträge sind gleich wichtig, denn auch kleinste Beiträge entpuppen sich zu wahren Steinbrüchen der Assoziationen

- es gibt keine Vorteile mehr für "Schnelldenker" und / oder "Laut-sprecher"

- es ist geregelt wer wann dran kommt (Aufhebung der Konkurrenzbedingungen)

 

Bisher wurden solche Runden in Deutschland eingesetzt in Kindergärten, Grundschulen, mit Kindern in Mutterhäusern, als Aussprache in Beziehungen, in Frauengruppen, in psychotherapeutischen Gesprächsrunden